Ich sitze Samstagnachmittag, voll den Spirit on my mind, in einem Mini-Boot, das lange schon auf Gras gestrandet ist. Im Background der See, der lacht. Dieser Kahn ist da immer schon und war beim genauen Hinsehen wohl mal gedacht als Kinderspielaccessoire, denn darin befinden sich eine Lage alter Sand und zwei stark abgegriffene Plastikschaufeln. Meine Hündin und ich passen gerade so rein, mein Spirit braucht keine Quadratmeter und wir also posieren zu dritt in Monis Samstag-Kamera. Habe ich erwähnt, das das Boot eher abgegriffen ist und es drumherum nicht wirklich Kindergerecht ist, sondern eher oll und unappetitlich? Egal, wir wollten ja nur sitzen, für ein paar Minuten da sitzen, mein Spirit, Dshamila und ich. Ich in hellem Blüschen, Moni mit Kamera, die Hündin superlieb – rollte doch glatt vom rechten Gehweg her die Voll-Projektion an, in Gestalt eines Mannes, der wohl vergessen hatte, sich umzuziehen und noch die Jogging-Montur vom gestrigen TV-Abend trug. Wir hätten es null beachtet, konnten es dann aber nicht vermeiden, weil er sich ungeahnt direkt neben unser Foto-Ensemble aufbaute und uns nicht leise, eher laut anmaulte, was wir da tun würden, das sei ja gar nicht recht, eher sehr verboten. In diesem Boot zu sitzen, das doch eigentlich für Kinder bestimmt war, welch Vergehen. Wir hockten da mal gerade 5 Minuten, kein Kind weit und breit, die spielten alle am Strand. Mister Jogging von gestern Abend meinte wohl meine Hündin, die eben da auch war. Ich flog fast aus dem Boot und wir entkletterten demselben sogleich vor Schreck. Moni packte die Kamera harsch weg und schluckte ihr Schimpfen-Wollen runter, ich glaube dafür war der Tag zu schön und wir bis dato zu gut gelaunt. Also sowas sagten wir dann – als das Boot wieder von uns befreit war, das beim genauen Hinsehen wirklich schwer als aktives Kinderspielplatz-Element zu identifizieren war, da schlicht sehr vergammelt. Also sowas sagten wir dann – und ich interpretierte, meiner ganzen Sätze wieder mächtig. Das nun war eine fette Projektion vom Herrn Jogging-TV-Hose. Irgendwas von sich warf der auf unsere Leinwand und Szene, da ihn irgendwas von seinem eigenen Leben triggerte und nun dazu geführt hatte, uns wüst und definitiv unnötig zu beschimpfen. Vielleicht hätte er als Kind gerne einen Hund gehabt. Vielleicht durfte er früher nicht im Sand spielen und musste immer Matrosenanzug tragen. Vielleicht hatte seine Frau heute früh gemahnt, er solle doch die fleckige Jogging-Hose nicht auch am Samstag am See anziehen und er tat es trotzdem, jetzt grad. Und also sah er uns, den Bauch voll Wut im fröhlichen Kahn sitzen und ballerte sie zu uns, die alte oder neue Wut. Unsere Challenge war, froh zu bleiben und ihn ziehen zu lassen, Herrn gestern Abend-Dress. An mir war es abschließend, meinen Spirit wieder einzufangen, der mir kurz entronnen war vor lauter plattsein. Wir lachten dann doch wieder, Moni und ich und der See, der es sowieso kann.